Diagnostische Leitlinien

Die sichere Diagnose der Abhängigkeit sollte nur gestellt werden, wenn irgendwann während des letzten
Jahres drei oder mehr der folgenden Kriterien gleichzeitig vorhanden waren:


  1. Ein starker Wunsch oder eine Art Zwang, psychotrope Substanzen zu konsumieren.
  2. Verminderte Kontrollfähigkeit bezüglich des Beginns, der Beendigung und der Menge des Konsums.
  3. Ein körperliches Entzugssyndrom bei Beendigung oder Reduktion des Konsums, nachgewiesen durch die substanzspezifischen Entzugssymptome oder durch die Aufnahme der gleichen oder einer nahe verwandten Substanz, um Entzugssymptome zu mildern oder zu vermeiden.
  4. Nachweis einer Toleranz. Um die ursprünglich durch niedrigere Dosen erreichten Wirkungen der psychotropen Substanz hervorzurufen, sind zunehmend höhere Dosen erforderlich.
  5. Fortschreitende Vernachlässigung anderer Vergnügen oder Interessen zugunsten des Substanzkonsums, erhöhter Zeitaufwand, um die Substanz zu beschaffen, zu konsumieren oder sich von den Folgen des Konsums zu erholen.
  6. Anhaltender Substanzkonsum trotz Nachweises eindeutiger schädlicher Folgen wie z.B. Leberschädigung durch exzessives Trinken, depressive Verstimmungen infolge starken Substanzkonsums oder drogenbedingte Verschlechterung kognitiver Funktionen. Es sollte dabei festgestellt werden, dass der Konsument sich tatsächlich über Art und Ausmaß der schädlichen Folgen im Klaren war oder dass zumindest davon auszugehen ist.

Die Freiheit eines Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann was er will,
sondern darin, dass er nicht tun muss, was er nicht will.

Jean Jacques Rousseau, 1712-1778, schweiz. Schriftsteller und Philosoph

Alkoholabhängigkeit

Alkoholismus ist eine Krankheit. Niemand mit einem Alkoholproblem hat dieses wissentlich verursacht. Weil Alkohol in unserer Gesellschaft ein anerkanntes Getränk ist, das wir gerne zum Essen, bei Feiern und anderen Gelegenheiten zu uns nehmen,
kann der Weg zu einer Alkoholsucht schleichend sein. Wenn aber Alkohol als Problemlöser zum Einsatz kommt, uns Dinge vergessen lassen soll oder der tägliche Konsum zur Gewohnheit wird, ist oft Alkoholismus die Folge.
Menschen, die von einer Alkoholabhängigkeit betroffen sind, durchlaufen in der Regel verschiedene Phasen, bis sie sich eingestehen, dass sie ein Alkoholproblem haben. Sie glauben, dass sie jederzeit aufhören können zu trinken. Bei den ersten Versuchen, das Trinken einzustellen, scheitern sie jedoch und werden von den sich einstellenden Entzugserscheinungen und Symptomen eingeholt. Alkoholiker glauben, selbst mit der Sucht fertig zu werden und
unterliegen dabei einer Selbsttäuschung. Bevor ein Alkoholiker sich eingesteht, dass er Hilfe braucht, hat er in der Regel viele gescheiterte Versuche hinter sich, mit dem Trinken aufzuhören. Zusätzlich kommen berufliche oder familiäre Probleme dazu, die in erster Linie durch den Alkoholmissbrauch verursacht wurden. Meist sind es genau diese Probleme, die schlussendlich zur Erkenntnis verhelfen, dass ein Alkoholproblem vorliegt.
Schuldgefühle und durch Alkohol verursachte Probleme im Umfeld geben Betroffenen immer wieder neuen Grund zu trinken. Ein Kreislauf mit einer Abwärtsspirale beginnt. Man trinkt, um zu vergessen. Man trinkt, um irgendwie weitermachen zu können. Die naheliegende Lösung für einen Alkoholiker ist immer der Alkohol. Durch regelmäßigen und hohen Alkoholkonsum wird die Toleranzgröße erweitert und es sind größere und/oder stärkere Mengen notwendig, um in einen
Rausch zu gelangen. Die Nebenwirkungen von Alkoholismus erstrecken sich von Appetitlosigkeit und Verdauungsbeschwerden über Schlafstörungen bis hin zu ernsten medizinischen Problemen wie Lebererkrankungen. Nicht selten wird zusätzlich zu Medikamenten und Drogen gegriffen, was weitere Probleme verursacht. Mithilfe einer Alkoholtherapie kann dieser Kreislauf jedoch durchbrochen werden.
Die Fachklinik Fürstenwald ist eine Suchtklinik in Hessen, die auf Alkoholabhängigkeit spezialisiert ist und Langzeittherapien in einer ruhigen und entspannten Umgebung bietet. Unsere oberste Priorität ist es, Ihnen möglichst schnell einen Therapieplatz zur Verfügung zu stellen. Zudem stehen wir Ihnen mit unserem ganzen theoretischen und
praktischen Wissen sowie mit einer hohen Empathie und Fürsorge zur Seite. Unsere Therapiemodule werden individuell auf Ihren Suchtschwerpunkt ausgerichtet. Dazu zählt auch die Kombinationsbehandlung von Alkoholismus in Verbindung mit Medikamentenabhängigkeit, Glücksspielsucht und Depressionen.
Alkoholprobleme lassen sich selten über einen längeren Zeitraum vor dem Arbeitgeber verbergen. Spätestens dann, wenn auch am Arbeitsplatz regelmäßig Alkohol getrunken wird, ist es offensichtlich. Manchmal ist den Betroffenen nicht einmal klar, was zuerst da gewesen ist: die Probleme am Arbeitsplatz oder zu viel Alkohol. Leistet der Arbeitnehmer nicht mehr das, was sein Beruf vorsieht und treten dazu auch noch zwischenmenschliche Konflikte auf, kann ein Verlust des Arbeitsplatzes die Folge sein. Reagieren Sie vorher! Ihr Arbeitgeber muss Sie für eine Suchttherapie freistellen und darf Ihr
Arbeitsverhältnis nicht kündigen, solange Sie in stationärer Behandlung sind. Wenn Sie vom Alkohol loskommen, können Sie Ihren Arbeitsplatz wieder festigen oder auf die Therapie aufbauend eine neue Stelle finden. Teil der Alkoholtherapie ist die Wiedereingliederung in das Berufsleben. Wir bereiten Sie auf Ihre Rückkehr vor, damit Sie mit neuer Kraft von vorne anfangen können. Entscheidend für eine Veränderung ist, dass Sie Ihre Möglichkeiten zum Aufbau einer stabilen Zukunft ohne Alkohol und mit einem Arbeitsplatz nutzen.
  • Delirien
  • Herz-Kreislauf-Störungen
  • Stoffwechselstörungen
  • Unruhe
  • Gereiztheit
  • Schweißausbrüche
  • Gliederschmerzen
  • Schwindel
  • Schlafstörungen
  • Übelkeit


Niemand ist schuld,
dennoch tragen wir alle die Verantwortung.



Medikamentenabhängigkeit



Es gibt keine Herausforderung, die wir nicht meistern können,
wenn wir mit klaren Zielen zusammenarbeiten und die Werkzeuge kennen,
die uns zur Verfügung stehen.

Carlos Slim Helú, *1940, mex. Unternehmer

Mehrfachabhängigkeit

Wir behandeln Mehrfachabhängigkeiten und Polytoxikomanie, wenn die Abhängigkeit von Alkohol und Medikamenten im Vordergrund steht. Als Mehrfachabhängigkeit wird die Abhängigkeit von mehr als einer der folgenden Substanzen bezeichnet. Von Polytoxikomanie spricht man dagegen, wenn mindestens drei illegale Substanzen innerhalb des letzten Jahres konsumiert wurden.




Selbsterkenntnis

Der erste Schritt aus allen genannten Suchterkrankungen sollte die Selbsterkenntnis sein. Betroffene müssen diese zunächst selbst als Krankheit erkennen. Der zweite Schritt ist der Wille. Wer nicht selbst aus seiner Sucht heraus möchte, der kommt so schnell auch nicht davon los. Der körperliche Entzug dauert nur wenige Tage. Viel schwieriger ist es jedoch, mit den psychischen Entzugserscheinungen fertig zu werden. Hier hilft Psychotherapie, um die hinter der Suchterkrankung liegenden Auslöser zu erkennen und zu behandeln.

Ein Mensch ist stark,
wenn er sich seine Schwäche eingesteht.


Honoré de Balzac, 1799-1850, französischer Philosoph und Romanautor